Das Terrariensubstrat
(von Marion Minch)
Das Terrariensubstrat ist das grundlegende Element
in der Schildkrötenpflege. Auf ihm verbringen die tropischen Landschildkröten
einen Grossteil ihres Lebens. Auch die europäischen Landschildkröten werden
oftmals in der Übergangszeit in Terrarien gehalten und haben an den
Bodengrund die selben Bedürfnisse wie die tropischen Artgenossen.
Das Substrat bildet die Grundlage für eine gesunde
Schildkröte und sollte vom Pfleger einer sorgsamen Prüfung unterzogen werden.
Da immer wieder die Frage nach dem geeignetsten Substrat
oder Einstreu gestellt wird, möchte ich an dieser Stelle einfach
meine persönlichen Eindrücke und Erfahrungen aufzeigen.
(Es handelt sich hierbei um KEINERLEI wissenschaftliche
Untersuchungen, lediglich um meine eigenen Erfahrungen und Meinungen!)
Das beste Substrat ist die natürliche Erde von
draußen!
Wer in seinem Garten keine Löcher graben kann/darf/will,
der kann sich auch vor Ort bei den Abfallstellen nach der nächstgelegenen
ERDBÖRSE erkundigen und dort nach Mutterboden fragen. man kann
sogar noch fragen, wo der momentan verfügbare Boden herstammt um einschätzen zu
können, ob der für den Einsatz geeignet sein könnte.
Oft wird man da schon gleich (und außerdem noch günstig) fündig.
Was ist eine Erdbörse?
Das ist eine (meist öffentliche) Plattform um mit Boden/Erden zu handeln. Also,
wenn irgendwo ein Aushub gemacht wird dann muss meist diese überschüssige Erde
weg. Wohin damit? Zu einer Erdbörse. Dagegen steht dann jemand da, der z.B.
einen Garten anlegen oder einen Teich zuschütten will und eben solche Erde
braucht. Genau für solche Fälle gibt es meines Wissens nach in ganz Deutschland
verteilt solche Erdbörsen, dass der Boden so "umgeschichtet" werden kann.
Anlaufstellen für Fragen wo die nächste Erdbörse ist, kann man bei jedem Amt für
Abfallwirtschaft.
Anforderungen, die ich an ein Substrat stelle:
- saugfähig
(Wenn z.B. eine grössere Pantherschildkröte pinkelt ... man unterschätze
diese Menge nicht!)
Egal, ob grosse oder kleine Schildkröten, der Urin der Schildkröten sollte
sehr schnell vom Substrat aufgenommen werden!
Das verwendete Substrat sollte nicht mit Vernetzungsmitteln behandelt sein.
- trittfest
Das Substrat sollte den Beinchen der Schildkröte einen Widerstand bieten.
Hier verwende ich gerne folgenden Vergleich:
Stellen Sie sich vor, Sie müssten dauernd durch den Tiefschnee waten. Wäre
Ihnen das angenehm? Das selbe muss eine Schildkröte empfinden, wenn das
Substrat unter ihren Füssen nachgibt, wenn sie zu laufen beginnt.
- magenfreundlich
Da Schildkröten sehr oft das Futter im Terrarium herumschleifen,
bleibt es nicht aus, dass vom Substrat beim Fressen manchmal etwas mit aufgenommen
wird. Wenn das Substrat im Magen- Darmbereich
Probleme bereitet, ist es in meinen Augen ungeeignet und sollte
nicht verwendet werden.
- geruchsneutral
Schildkröten besitzen einen extrem ausgeprägten Geruchssinn, daher sollte
das Substrat kaum Eigengerüche haben. Verschiedene Gerüche irritieren
Schildkröten sehr und sollten bei der Auswahl entsprechend der gepflegten
Schildkrötenart differenziert werden. Beispiel: Waldboden für
Köhlerschildkröten. Dieser ist für tropische Landschildkröten wie z.B.
der Pantherschildkröte ungeeignet.
- natürlich
Das Substrat sollte so natürlich wie nur irgend möglich sein. In der
freien Natur leben die Schildkröten auch nicht auf künstlichen Substraten.
Für die Optik des Terrariums ist es sehr förderlich, wenn mit
natürlichen Materialien gearbeitet wird.
- feuchtigkeitsspendend
Einige Schildkröten brauchen feuchtes Substrat (wie z.B. die Köhler- oder
Waldschildkröten). Für sie und für alle Jungschildkröten im übrigen
auch, sollte immer zumindest eine *feuchte Ecke* im Terrarium vorhanden
sein.
Hier ist Vorsicht geboten, dass eventuell beginnender Schimmel nicht übersehen
wird und ihn ggf. SOFORT grossflächig entfernt!
- leicht austauschbar
Das Substrat sollte leicht austauschbar sein, denn je nachdem wie hoch die
Besetzungsdichte und die Grösse der Tiere ist, muss kürzer oder längerfristiger das gesamte Substrat ausgewechselt und durch frisches
ergänzt
werden.
- schleimhautfreundlich
Da die Nasenpartie einer Schildkröte auf Staub sehr empfindlich reagiert,
sollte das Substrat im ausgetrockneten Zustand möglichst staubfrei sein.
Sonst kommt es sehr leicht zu einem Reizschnupfen mit den dadurch verbundenen
Problemen bei Schildkröten.
- kurzfasrigkeit
Da sich längere Faserteile leicht
z. B um die zarte Beinchen von juvenilen und
kleinen Schildkröten wickeln können, solle das Substrat kurzfasrig sein,
damit dies nicht passieren kann und durch eine umschlungene Faser das
Beinchen nicht absterben kann.
Geeignete Substratarten:
- Ungedüngte Gartenerde
- ausgestochene Grasnarben aus einer Wiese oder dem
Garten
(Vorteil: ein kleiner Teil an Futter steht hier den Tieren zur
Verfügung!)
- Mutterboden
- Erde von Maulwurfshügeln
Hierbei bitte den Eigentümer des Grundstücks um Genehmigung der Entnahme
fragen!
- Lehmboden (der eignet sich hervorragend als
Substrat)
- Mischungen aus Lehm, Erde und Sand
Für waldbewohnende Arten (z.B. Köhlerschildkröte)
ausserdem:
- Moos
- Waldboden
- bedingt und nur an wenigen Stellen im Terrarium zu
verwenden:
Rindenhumus
(bitte KEINEN Rindenmulch verwenden)
- Lehm
Ungeeignete Substrate:
- Buchenholzhackschnitzel
Dieses Substrat wird leider sehr oft in der Schildkrötenpflege
angetroffen:(
Es trocknet aus, schimmelt schnell, ist nicht trittfest. Verschluckt eine
Schildkröte diese Teile, ist ein Darmverschluss nicht auszuschliessen. Sie
bilden ein gesundheitliches Risiko für die Bewohner:(
- Katzenstreu
Katzenstreu gibt es in verschiedensten Qualitäten. Sie haben
allerdings alle die selbe Aufgabe. Sie sollen den Urin der Katzen
schnellstmöglich und geruchsneutral binden.
Diese wasserbindende Eigenschaft kann im
Extremfall zu einer Dehydrierung der Schildkröte führen! Die
Trittfestigkeit ist auch nicht gegeben und die Katzenstreu sieht nicht sehr
ansprechend
aus! Die Toxidität kann ich an dieser Stelle nicht beurteilen.
- Rindenmulch/Rindenhumus (nur für waldbewohnende
Schildkrötenarten teilweise geeignet, sofern das Substrat immer feucht gehalten wird)
Der Rindenmulch trocknet aus, ist dann nicht mehr saugfähig und wird staubig, ist nicht
trittfest, hat einen Eigengeruch und ist leicht säuerlich.
- Terrarienerde
Sie trocknet aus, ist dann nicht mehr saugfähig und wird staubig, ist nicht
trittfest, hat einen Eigengeruch und beinhaltet augenscheinlich
Zusatzstoffe, die auf der Verpackung oft nicht weiter deklariert sind (weisse kleine Kugeln?).
- Holzwolle / Heu / Stroh / Zeitungspapier
Sind staubig, nicht trittfest und besitzen einen Eigengeruch.
Zeitungspapier enthält ausserdem Druckerschwärze!
- Kieselsteine / Sand
Sie trocknen aus, sind nicht trittfest und bergen ausserdem die Gefahr der
Bildung von Darmverschlüssen wenn sie aufgenommen werden!
- Betonplatten / Beton
Trockenes *Substrat* und als alleiniger Untergrund zerstören sie unwiederbringlich die Krallen !
Als Zwischenstücke in das Terrarium eingebracht sind sie allerdings zu
empfehlen, gerade weil sie die Krallen kurz halten und den Schildkröten eine Abwechslung im Untergrund (den sie in der Natur auch haben)
bieten.
- Humus
Er trocknet aus, wird staubig und ist nicht trittfest
- Laub
Es trocknet aus und wenn es eingesprüht wird, schimmeln diverse
Laubarten gerne.
- Grünmehlpellets
Diese trocknen binden die Feuchtigkeit, die sich in unmittelbarer Umgebung befindet. Als
Einfassung von Futtergefässen kann man sie einsetzen. Die
Schildkröten haben bei der Aufnahme des Futters rund um den Futterplatz eine
zusätzliche Rohfaserquelle.
VORSICHT .... dieses Substrat schimmelt extrem schnell und sollte somit,
falls als Einfassung des Futterplatzes gewählt, täglich ausgewechselt
werden!
Zum Einsatz als Substrat im gesamten Terrarium ist es denkbar ungeeignet.
Nicht trittfest, austrocknend, schnell schimmelnd, um die wichtigsten
Eigenschaften zu nennen, die gegen den Einsatz als Substrat im ganzen Terrarium
sprechen.
- Korkplatten/Styroporplatten/Terrarienfertigrückwände
Diese Platten sind so gut wie gar nicht sauber zu halten. Die Schildkröten
können sich nicht darin eingraben und bei den Styroporplatten besteht die
Gefahr, dass Teile davon gefressen werden. Was das Styropor im Magen-
Darmtrakt macht .. ich habe keine Ahnung, könnte mir aber vorstellen, dass
es der Gesundheit nicht sonderlich förderlich ist!
- Kunstrasen
Unnatürlich, toxikologisch nicht unbedenklich.
- Maisschrot
Zu trocken, nicht trittfest und schimmelt zu schnell.
- Sägespäne
Zu trocken, zu staubig, nicht trittfest und schimmelt zu schnell.
- Kokosfaser
Zu schnell zu trocken, zu staubig, nicht trittfest und zu sauer.
Kokosfasern saugen zwar schnell Feuchtigkeit auf, geben sie aber auch
dementsprechend schnell wieder an die Umgebung ab.
Unter dem Wärmeberreich trocknet das Substrat also ruck zuck ab und dann
staubt es dort wo sich die Tiere die meiste Zeit des Tages aufhalten:-(