Das Terrarium
(von Marion Minch)
Um es gleich vorweg zu nehmen:
Schildkröten gehören im Sommer an die frische Luft und somit in ein geeignetes
Aussengehege!
Da sich immer wieder die Frage nach dem
"artgerechten" Terrarium für die Schildkröten in den Überganszeiten
stellt, habe ich hier
einfach einmal zusammengefasst, was mir hierzu als wichtig erscheint:
| Größe | Man sollte sich immer vor Augen halten, dass das Terrarium groß genug sein muss, damit die Tiere darin herumlaufen können und damit sie die ihnen im Moment angenehmste Temperaturumgebung aufsuchen können. |
| Wärme | Schildkröten sind
wechselwarme Tiere, die auf unterschiedliche Temperaturvorgaben
angewiesen sind. Sie können weder hecheln um ein zuviel an Wärme
abzugeben, noch zittern um sich "selbständig" hochzuwärmen
wie z.B. Hunde oder andere Säuger. Schildkröten sind auf Gedeih und
Verderb auf die Umgebungstemperatur angewiesen. Deshalb sollte man in einem Terrarium auch unterschiedliche Klimazonen zur Verfügung stellen, damit sie sich die benötigte Temperatur aussuchen können. |
| Licht | Landschildkröten sind auf Licht angewiesen, weswegen man eine gute Lichtquelle auf alle Fälle zur Verfügung stellen muss. Sie wollen allerdings dieser Lichtquelle nicht bedingungslos ausgesetzt sein und müssen somit auch Rückzugsmöglichkeiten geboten bekommen, damit sie sich "im Schatten" verstecken und dem Licht somit auch entziehen können. |
| Wasser | Bade- bzw. Trinkmöglichkeiten sollten immer zur Verfügung stehen und das Wasser darin sollte täglich gewechselt werden um Fäkalien und Verunreinigungen so weit wie möglich schnellstmöglich aus dem Fress- und Trinkbereich der Tiere verschwinden zu lassen. |
| Einrichtungs- gegenstände |
Versteckmöglichkeiten in
Form von Höhlen, Röhren, Schutzhäuschen u.ä. sollten jederzeit
zur Verfügung stehen, damit die Tiere einen "sicheren Platz"
aufsuchen können und somit bei "Gefahr" ein niedrigeres
Stresspotential gegeben ist. Das Futter sollte niemals direkt auf das Substrat gelegt werden, ein speziell hierfür vorhandener Futterteller o.ä. den man täglich reinigt sollte verwendet werden. |
| Substrat | Dies sollte so weit wie möglich natürlich und trittfest sein. Nähreres hierzu unter dem speziell hierfür ausgearbeiteten Teil Substrate. |
Einige Punkte näher betrachtet:
Wärme
wechselwarme Tiere haben immer das Bestreben die für sie am günstigste
Temperaturstellen aufzusuchen, denn sie haben keine eigene Wärmeregulierung und
sind somit auf die Umgebungstemperaturen angewiesen.
Hat man nun nur eine einzige Temperatur im Terrarium, so haben sie keine
Wahlmöglichkeit und versuchen u.U. durch unablässiges herumwandern, eine
geeignete Stelle aufzusuchen. Manche Tiere sind schon so "demotiviert"
nach einer geeigneten Stelle zu suchen, dass sie sich das gefallen lassen .. was
aber nicht dazu führt, dass sie sich wohl fühlt, geschweige denn, dass das
gesundheitlich zu vertreten wäre. (man stelle sich vor, man müsste den ganzen
Tag in der prallen Sonne verbringen und hätte keine Möglichkeit in den
Schatten zu gelangen ... bzw. man müsse den ganzen Tag bei -20 Grad draussen
sitzen und hätte keine Möglichkeit sich aufzuwärmen .. so in etwa müssen
sich diese Tiere bei mangelnden Temperaturangeboten fühlen)
Größe
die Mindestanforderung für Terrarientiere stellt zwar sicher, dass das Tier
eine gewisse Lauffläche zur Verfügung bekommen soll. Diese Flächenberechnung
ist jedoch in unseren Augen weit unterdimensioniert und sollte unbedingt weit
überschritten werden.
Man bedenke, dass eine Schildkröte nicht nur durch die Darmbewegungen verdaut
und den Darminhalt transportiert. Hierzu ist auch maßgeblich die Bewegung
erforderlich. Laufen ist die einzige Möglichkeit, wie eine Schildkröte
"Sport" betreiben kann. Den kann sie allerdings nur dann betreiben,
wenn sie dazu auch den notwendigen Platz hat! Eine Schildkröte, die nach zwei
Schritten schon am Ende des Terrariums ankommt, hat bald schon keine Lust mehr
auf einen "Spaziergang" und wird den Tag resigniert unter ihrer
Wärmelampe verbringen.
Platz ist ein extrem wichtiger Faktor in der Haltung von Terrarientieren.
Man bedenke einfach immer wieder und wieder, wie es einem selbst ergehen würde,
wenn man außer einem WC nur noch ein Bett und eine Kochstelle in einer Wohnung
von ca. 20 qm hätte, aus der man nur im Sommer ab und einmal in den Garten
dürfte. Man mag sich selbst ganz leicht vorstellen können, was das für die
Gesundheit und für die Psyche für Folgen hätte .. dann fällt es einem auch
nicht sonderlich schwer, sich in eine Schildkröte "hinein zu
versetzen" die Ihr Leben lang nichts anderes kennen lernen wird als im
Winter das Terrarium und im Sommer das Freigehege. Ein Tier das normalerweise
ein riesiges Territorium bewohnt und bei dem es etliche Arten gibt, die täglich
weite Strecken herumlaufen ...
Licht
Dieses Thema ist ein häufiger Streitpunkt in der Reptilienpflege. Man
sollte sich immer verdeutlichen, woher die Arten stammen, die man selbst hält
und sich dementsprechend auch mit dem Licht verhalten.
Eine Köhlerschildkröte, die am liebsten im Halbschatten unter dem Licht, das
durch das Blattwerk hindurch schimmert, wird sich in grellem Licht immer
unter höchstem Stress befinden, das es für sie unnatürlich ist. Diese Arten
benötigen helle Sonnenplätze und einen großen halbschattigen Bereich in dem
das Licht durch Pflanzen ein wenig gedrosselt wird. Das kann man im Terrarium
ganz leicht realisieren, indem man Hängepflanzen unter den Lampen anbringt und
die Tiere somit eine natürliche Lichtausbeute erhalten.
Pantherschildkröten oder Sternschildkröten und andere "sonnen
fanatischere" Schildkrötenarten benötigen auch hellere Gebiete in ihrem
Terrarium. Sie sollten sonnige und warme Bereiche ebenso vorfinden wie kühle
und "schattigere". Logischerweise ist an den sonnigeren Bereichen
dann die Wärme auch am höchsten!
Dass Tiere, die den ganzen Winter über im Terrarium gehalten werden, auch UV
benötigen ist selbstredend!